Steyr: Tausende Teilnehmer bei Kundgebung gegen die Schließung von MAN!

Am Donnerstag, 15. Oktober, organisierten die Betriebsräte von MAN-Steyr eine öffentliche Betriebsversammlung mit Protestmarsch am Stadtplatz in Steyr. Insgesamt tausende Arbeiter und Menschen aus der Bevölkerung zeigten sich solidarisch.

Etwa zeitgleich gegen Mittag starteten in Steyr zwei Protestmärsche die am Stadtplatz zusammentrafen. Einer bestand aus Teilen der Belegschaft von MAN und startete vorm Werk. Der andere traf sich bei den Reithoffgründen und bestand aus Arbeitern anderer Betriebe und Teilen der Bevölkerung die sich solidarisierten. An diesem Marsch beteiligten sich auch die Kollegen des Arbeiterstammtisches und der Internationalen Arbeiterhilfe. Dieser Protestmarsch wurde von Kollegen der SKF (vormals Steyrer Werke) und BMW organisiert, welche damit ein starkes Zeichen der Solidarität setzten. Die Kollegen wurden dafür nicht freigestellt. Ein Arbeiter von SKF meinte: „Wir werden diese Zeit nacharbeiten müssen. Unser Werk betrifft es eigentlich nicht, zumindest noch nicht so rasch. Wir sind aber trotzdem da, weil wir zusammenhalten müssen.“

Ein bei weitem größerer Demonstrationszug verließ das MAN Werk und zog unter lautem Pfeifen und Tröten am Stadtplatz ein. Es herrschte eine gute und teilweise sehr kampfbereite Stimmung, die Reden diverser Vertreter hingegen sorgten unter Teilen der Kundgebung für Unmut. Was richtig von einigen angesprochen und mehrmals zitiert wurde: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!

Kritisch diskutiert wurde unter den Teilnehmern, mit welchem Trumpf man nun in die oftmals betonten Verhandlungen gehen würde. „Jetzt haben sie uns mit den Verträgen der Standortsicherung schon zusätzliche Arbeit aufgehalst. Es ist nicht so, dass wir zwei LKWs am Tag gratis produzieren. Würden wir nach dem gehen was wir an LKWs produzieren, dann wären wir Arbeiter Millionäre“, meinte ein Arbeiter und lachte. „Im Ernst aber, haben sie uns damit einfach mehr Arbeit aufgehalst und unsere Arbeitszeit erhöht, da Umziehen usw jetzt nicht mehr in unsere bezahlte Arbeitszeit fällt. Wir können also gespannt sein, wie sie uns dieses mal retten wollen. Mit Lohnkürzungen, zwei Wochen weniger Urlaub, oder vielleicht wenn wir unser Weihnachtsgeld spenden – zur Rettung des Standortes?!“. Damit war er nicht der Einzige, der seinen Unmut äußerte. Ein schon etwas älterer Herr meinte wütend: „Denen sollte man das Manifest auf den Kopf werfen, damit sie es lesen!“

Petra, die Initiatorin der Demonstration die schon vergangenen Samstag zur Unterstützung abgehalten worden war, hob hervor, dass es eine sehr kräftige Kundgebung der Teilnehmerzahl nach war. „Was ich aber an den Reden stark vermisste: Es wurden mit keiner einzigen Silbe die zahlreichen anderen Massenkündigungen erwähnt, die in ganz Österreich anstehen, auch nicht der notwendige Schulterschluss mit den Kollegen in Deutschland.“

Auch der Auftritt Rendi-Wagners blieb war nicht unumstritten, ist sie doch Vertreterin jener Partei, die den Verschlechterungen der Lager der Arbeiter lange Zeit nicht nur einfach zusah, sondern selbst vorantrieb! „Leere Worte sind das, eine Verarschung, wenn sie jetzt mit Industriegipfel und Solidarität daher kommen“, meinte ein älterer Arbeiter, seine Kollegen nickten zustimmend.

Ein Kollege vom Arbeiterstammtisch meinte am Ende der Kundgebung zusammenfassend: „Es war schon gut, dass so viele Leute da waren. Bemerkenswert war die hohe Beteiligung von Pensionisten. Das ist sicher auch deshalb, weil eine Kundgebung unter der Woche zu Mittag für die meisten anderen Berufstätigen schwer ist zu unterstützen. Aber vor allem beeindruckte mich ihr Kampfgeist, obwohl sie schon ihre Pension bekommen, stehen sie selbstverständlich für die Anliegen der Arbeiter ein. Viele von ihnen haben auch schon mehrere Arbeitskämpfe in Steyr selbst miterlebt. Enttäuschend waren für mich die Redebeiträge, nicht die der Vertreter der Parteien, da erwarte ich mir schon nichts mehr außer heißer Luft. Schade fand ich, dass wir zurückgelassen wurden mit einem Abwarten auf die nächsten Verhandlungen, aber mit keiner Aussicht darauf was unser Verhandlungsgewicht erhöhen könnte. „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“ – dem kann ich mich anschließen und zudem ist für alle Beteiligten klar: Das war erst der Anfang!“

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